Archiv für 2006

Noch ein paar Stunden …

Auch bei uns verabschiedet sich das Jahr mit Lärm und Licht. Böller, die nicht mehr nur einen vornehmen Knall in die Welt schicken. Es müssen schon schwerere „Waffen“ ran, die Scheiben klirren, tiefe Löcher werden in den Rasen gerissen, Sprengstoff gleich. Das Jahr verabschiedet sich gewalttätiger, als es anfänglich war.
Ja liebes Mysterium, Morgen wird es bei vielen eine Katerstimmung geben, nicht nur vom Alkohol erzeugt. Am Dienstag hat uns dann endgültig der Alltag wieder, noch ein paar Tage später sind die guten Vorsätze, der Silvesterrausch und die Weihnachtsbraten vergessen.
Und wieder wird ein Jahr kommen, von dem man sich nur das beste wünscht. Erst am Ende können wir sagen, es war gut, es war schlecht.
Die letzten Stunden in 2006 verbringe ich mit Musik aus Kölle, von den „Fööss“. Die Gedanken aber sind dort, wo sie nun schon einige Jahre sind. Vielleicht gibt es in 2007 den großen Durchbruch, die Erfüllung schöner Wünsche und Träume. Das wird sich aber erst am Jahresende abzeichnen, des Jahres, welches zu dieser Stunde noch nicht begonnen hat.
Ich wünsche allen Menschen einen guten Rutsch und ein gesundes, friedliches und erfolgreiches neues Jahr 2007. Nun, liebes Mysterium, möge es Liebe und Frieden bringen.
Nun sind es nur
noch ein paar Stunden …

Am Ende der Weihnachtszeit …

Zwischen den Jahren, die Zeit, welche ich in jungen Jahren fasziniert vor dem Radioempfänger saß, hatte eine besondere Bedeutung für mich. Das Fernsehen, es gab noch schwarz-weiß Bilder, hatte nicht den Stellenwert von heute.
Aber wir hatten auch ein ganzes Jahr hinter uns, mit allen Höhen und Tiefen. Gerade diese Zeit war bei mir traditionsgemäß dem vergangenen Jahr gewidmet. Was heute die tausende wichtigen Jahresrückblicke sind, waren zu damaliger Zeit meine persönlichen Erinnerungen. Ich ließ das Jahr an mir vorüberziehen und genau dort half mir das Radio. Auch hier ein kleiner Rückblick, meistens in der Form von Urlaubserinnerungen, Liedern, Hits.
Bei mir begann der Abend mit Kerzenschein, Glühwein und meinen Schallplatten. Denn auch dort konnte ich das Jahr verfolgen, je nach dem, welche Platten im Laufe der Monate neu gekauft waren. Und es gab noch die vielen Erinnerungen an die schönen Feste, beim Osterfeuer, das gemeinschaftliche Grillen im Sommer, den Urlaub und die vielen Geburtstage. Dort wurden auch reichlich Fotos geschossen. Und gerade in der Zeit nach Weihnachten machte es Sinn, diese Fotos zu sortieren, und in das Album zu kleben. Mit einem kurzen Text versehen, allerdings nicht mehr zu ganz später Stunde. Dann lag man auf der Erde, vor der Stereoanlage und widmete sich den schönsten, romantischten Melodien und Gedanken.
Zur Geisterstunde servierte uns das Radio jeden Abend eine ganze Stunde besondere Musik. Manchmal Gespensterlieder, einen Abend Westernsongs, den anderen Abend Seemannslieder. Aber nicht die populären Songs, man schweifte durch die Plattenkiste und fand einige sehr interessante, aber unbekanntere Stücke. Viele ungewöhnliche Geschichten wurden erzählt, romantische Stunden klangen an, alles, was das Herz begehrte.
So entstanden die schönsten Abend und Nächte. Nicht jedes Jahr, allerdings dann nur eben diese vier oder fünf Nächte, nach dem Weihnachsfest.
Jetzt fragt man sich, warum konnte man das nicht im Laufe des Jahres mal genau so erleben? Dieses ist die Frage, das Mysterium hat sie mir ja auch oft gestellt.
Ich weiß es nicht, es ist nur eben diese eine Zeit, die paar Tage,
am Ende der Weihnachtszeit …

das Jahr davor …

Der Tag nach dem Tag nach Weihnachten….
Wer denkt jetzt noch intensiv an das Fest? Es ist in unserer kurzlebigen Zeit schon lange vorbei. Ja, der Weihnachtsbaum steht noch geschmückt in der Stube, aber er behindert mich doch sehr. Ich möchte wieder an meine Plattensammlung. Es scheint fast so, als stehe er schon Wochen und Monate dort. Das restliche Festessen ist aufgegessen und Morgen wird für die nächste Woche eingekauft. Für ein nicht ganz so langes Wochenende sind wir alle wieder im Festtrubel. Allerdings der etwas feuchtfröhlicheren Art. Und wenn das dann vorbei ist?
Die guten Vorsätze sind in einer Woche vergessen und die Kilos purzeln nach oben, die Glimmstengel glühen wieder.
Heute, am zweiten Tag nach dem Fest, hat sich das Wetter zu einer miesen Suppe entwickelt, im Radio haut man uns die Werbung erneut um die Ohren, die Filme im Fernsehen handeln auch wieder vom langsamen Sterben in unendlicher Reihenfolge. Alles so, wie vor dem Fest.
Dem Mysterium scheint es auch nicht wesentlich anders zu ergehen. So gehen wir also in das neue Jahr, genau so, wie letztes Jahr und das Jahr davor….

Er hat uns wieder …

Der Alltag hat uns wieder. Noch nicht ganz, es ist jetzt die Zeit, die wir früher immer die Zeit, zwischen den Jahren genannt haben. Das ist die Zeit, an der man einerseits noch mit Weihnachten lebt, andererseits aber schon auf das neue Jahr wartet.
Zu Weihnachten haben wir, ab Heute, vielleicht nur noch die Umtauschbeziehung für  Geschenke.
Der Tannenbaum steht uns plötzlich doch im Wege und wir schauen schon manchmal auf die Kartons, in dem wir die Kugeln und Lichterketten einsortieren. Das Resteessen hat auch nur noch eine verzehrende Bedeutung, anders, als an den Feiertagen. Spätestens zum Wochenende sind alle Weihnachtsversprechen vergessen. Mir ging das jedenfalls immer so. Das jedes Jahr wiederkehrende und wichtigste Versprechen war, ein paar Kilo abzunehmen. Nun, das gelang aber nur sehr schwer, die Süßigkeiten, die Sektflaschen, und die übrig gebliebene Salate konnte man doch nicht verkommen lassen. Also wurden aus den Weihnachtsversprechen eben die guten Vorsätze für das neue Jahr gezimmert. Das gelang dann auch ganz gut, denn bis Neujahr waren alle Restbestände aufgefuttert. Und nun mußte neu eingekauft werden. Die Regale waren meistens noch nicht wieder aufgefüllt und uns fiel der gute Vorsatz leicht.
Alles Vergangenheit? Nein, ich lebe zwar alleine, aber es trifft immer noch zu. Ganz alleine lebe ich ja auch nicht, mein Sohn hat seine Hilfe angeboten, beim Vernichten der Restbestände. Und auch das Versprechen abgegeben, ein paar Kilo …. Naja, wir wandeln es genau so wie bei mir, in einen der guten Vorsätze für 2007 um.
Und jetzt kommt ja diese Zeit zwischen den Jahren, früher für mich eine sehr gefühlsmäßig intensive Zeit. Da gönnt man sich des Abends noch ein wenig Ruhe. Ich habe sehr viele Musik gehört, viele Bilder angesehen und das Jahr noch einmal Revue passieren lassen.
Leider wird sich das so niemals wiederholen lassen. Die Zeit ist anders geworden. Es hat niemand mehr Sinn für Gefühle. Ich möchte es trotzdem noch einmal erleben, vielleicht ein letztes Mal, aber mit dem lieben Menschen, der diese Gefühle versteht und auch seine eigenen einbringen wird.

Frohe Weihnachten

Wir wünschen euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. 

Noch nicht ganz Heiligabend …

So langsam wurde es für uns Kinder ernst. Die Stunde der Bescherung nahte. Wir waren aufgeregt, andererseits aber auch ein wenig ängstlich. Was mochte das Christkind oder der Weihnachtsmann uns bringen? Brachte er überhaupt etwas? Oder gab es diese große Abrechnung, die wir immer zu fürchten hatten? Am vorletzten Samstag waren wir noch zu Vaters Weihnachtsfeier in seiner Firma eingeladen. Dort stand dieser Weihnachtsmann schon, er wartete auf mich, ja auf MICH. Ich hatte ein sehr schlechtes Gewissen. Oooooh, ob er mich in seinen großen Geschenkesack steckt? Uiiih, ich hatte es verdient, ich hatte Angst. Vater grinste mich an und Mutti saß neben mir und legte beruhigend ihre Hand auf meine. „Der tut dir nichts, wenn du artig warst“. Ich konnte keinerlei Beruhigung verspüren, dieser Satz heizte noch meine sowieso schon roten Wangen enorm an. Und ob ich was zu Verbergen hatte. Jede Menge. Ich dachte an meinen Vetter Klaus, dem ich die Leiter geklaut hatte, just als er vom Baum herunterklettern wollte. Seine Mama hatte zum Abendessen gerufen, und sie rief immer sehr energisch. Kaum Widerspruch möglich. Der ärmste saß in der Falle. Natürlich kam er zu spät und bekam wegen dieser dummen Ausrede mit der Leiter noch einen Klatsch hinten drauf. Und das wußte er, der Weihnachtsmann? Bestimmt wußte er das. Ich hatte den Eindruck, er schaut mich die ganze Zeit an. Und auch Vater schaute mich an, er schien zufrieden.
Ich versank in den Anblick eines Christkindes, aus Äpfeln und Nüssen, mit einem Wattebausch um den Rock geklebt. Vielleicht sah mich der Weihnachtsmann ja nicht, wenn ich ihn nicht anschaute. Die Blicke allerdings brannten mir doch etwas auf dem Gesicht.
Plötzlich ein Raunen, und eine lauter und energischer werdende Stimme, “ Detlef Bruckmann „. Das war ich, nun tat ich erst so, als sei ich nicht da, aber Vater stand schon auf und nahm mich unter dem großen und langen Tisch hinweg, an die Hand.
Dann stand ich vor ihm, er war riesig, voluminös. Das Wort lernte ich allerdings erst später zu begreifen, machte aber Spaß, es zu benutzen. Jaaaaa, ein riesiger alter Mann, mit einem weißen Bart, einem roten Mantel und, oh Schreck, seinem Buch. Dort stand alles drin, was der liebe Detlef Bruckmann das ganze Jahr so angestellt hatte. Und er blätterte, er blätterte, er blätterte. Dabei schüttelte er langsam den Kopf. Dann seine tiefe Stimme: “ ich lese hier, Du warst nicht ganz so artig, wie man das von einem Kind erwartet“.
Jetzt kam es vermutlich, Vetter Klaus mochte ein Stoßgebet zum Herrgott geschickt haben. Wehe. Das nächste Mal ….. Petze.
“ Du hast im Sommer“… oh, mein Kopf wurde rot, wie eine Tomate. “ du hast im Sommer“ … jetzt mußte es einfach kommen, der ganze Saal schaute uns zu, ich konnte die Ohren leuchten sehen. “ du hast im letzten Sommer das Lampenglas an eurer Stubenleuchte mit einem Stock zerschlagen …, aber sonst kann ich micht nicht über dich beklagen. Außer deinen Hausaufgaben, aber es ist ja Weihnachten…“
Puuuuh, kein Wort von Vetter Klaus. Abbitte an ihn? Nöö, er war ja sonst immer eine Petze.
Nun bekam ich eine große Tüte mit Süßigkeiten und ich durfte  wieder zu meinem Platz gehen. Mama saß dort schon und sah mich lächend an. Der restliche Abend war ein Genuß, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Laufe des Abends hörte ich Mama allerdings noch zu meinem Vater sagen “ Hast du nichts von der Farbe auf dem Fußboden erzählt?“ Ich maß den keine Bedeutung bei, und war rundum zufrieden.
Wenn also der Weihnachtsmann am Samstag nichts wußte, von Vetter Klaus, dann weiß er auch am Heiligen Abend nichts davon.
Es sind ja noch etwas über 2 Stunden, nach dem Essen gehts los.
Aber trotzdem, Ich habe gewaltig Bammel ….

Heiligmorgen …

Der frühe Morgen des 24. Dezember 2006, Heiligabend.
Ich sitze noch hier und lasse die letzten Weihnachtsfeste an mir vorübergehen. Es gab früher sehr schöne und frohe Weihnachten, mit und ohne Schnee. Die Kinder waren noch klein und keine Sorgen konnte das Fest trüben.
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Am Nachmittag werde ich den Weihnachtsbaum schmücken, schöne Lieder hören und an die vergangene Zeit denken. Am Abend gibt es Nudelsalat mit Spießbraten. Das ist so eine Tradition der langen Jahre. Die besonderen Speisen bekamen wir immer am Weihnachtstag.
Zuerst wird gefrühstückt, für die Kinder natürlich immer eine Geduldsprobe. Dann ist Zeit zum spielen, meistens liegt Vaddern mit auf dem Boden und bastelt an der Eisenbahn, dem Bahnhof oder kleinen Feuerwehrautos. Der Nachmittag des Weihnachtstages wurde für einen kleinen Spaziergang reserviert. Allerdings hatten die Kinder ihre eigenen Vorstellungen, also ging Vaddern einen kleinen Mittagsschlaf machen. Meistens bis zur Teestunde.
Was wird dieses Jahr bringen? Schlimmen Ärger hat es ja schon gegeben, am Tag vor Heiligabend. Es hat mir das Weihnachtsfest verhagelt. Darum werde ich dieses Fest mal wieder alleine verbringen. Alleine? Nein, da gibt es ja noch den großen Sohn. Der ist gerne bei mir und dieses Jahr ist für ihn das erste Mal, das er Weihnachten bei mir ist.
Ja, und da ist noch mein Mysterium. Ich weiß, das sie an mich denkt. Ich denke auch oft an den schönen und unkomplizierten Umgang mit ihr, wenn ich mal wieder in Halle bin. 
Das kleine Weihnachtswunder hatte ich ja schon am Vortag. Jedes Jahr gibt es einen Kleinkrieg mit dem Weihnachtsbaumständer. Da fliegen meistens die Fetzen. Dieses Jahr hatte ich auch wieder Angst vor diesem Theater. Ich hatte einen neuen Baumständer gekauft. Am Morgen machte ich einen ersten Versuch, stellte den Baum in den Ständer, zog das Drahtseil fest und….   Das Tannenbäumchen saß so fest, wie in keinem anderen Jahr, Und es ist immer noch fest, das Bäumchen. Ein Weihnachtswunder…

Ich werde schlecht schlafen …

Morgen ist es soweit, nein noch nicht Heilig Abend. Morgen wird der Weihnachtsbaum eingestielt. Die Kugeln und Lichter werden aus dem Keller ausgegraben. Der Platz muß noch abgedeckt werden, wo der Baum seine Nadeln niederlegen wird.
Das ganze ist ein noch größerer Akt, als das Fest selber. Wenn alles erledigt ist, bin ich es meistens auch. Die Familie lernt neue Flüche kennen, meine Säge ein neues Blatt und meine Hände jede Menge Pflaster. Dann endlich können wir uns in Frieden und Freude dem Fest hingeben.
Nur ich wieder nicht, habe doch jedesmal Angst, das dieses Bäumchen umkippt. Ein Jahr wurde es mit Band an einer Wand stabilisiert, das andere Jahr bekam es ein Holzgerüst um den Stamm. Aber so richtig einfach war das ja noch nie.
Wenigstens bei mir nicht. Und Silvester wird das Teil wieder abgerüstet. Dann bekomme ich erneut Pflaster auf die Finger und Hände, ein enormes Aufgebot an Tannennadel liegt auf dem Teppich und läßt sich nicht wegsaugen. Erst so gegen Frühlingsanfang sind auch die letzten Spuren beseitigt. Und sogar den alten Tannenbaum finde ich auf dem Balkon wieder. Hab ich wohl vergessen, das Teil auf den Müll zu geben.
Und das alles kommt Morgen, ich werde schlecht schlafen …